Biwak - Zelten ohne Zelt

Biwak - Zelten ohne Zelt

Biwak - Zelten ohne Zelt

Über ein Abenteuer mit dem Tarp

Text: Friederike Kosche, Fotos: Martin Ohliger

"Zu Hause ist da, wo mein Rucksack ist", antworte ich gerne und mit einem gewissen Stolz, wenn ich wieder mal gefragt werde, wann ich denn endlich sesshaft werden würde. Ich sage es nicht, um einem unangenehmen Gespräch zu entweichen, ich meine es genau so. Mit ein paar Radreisen, Zelturlauben und Roadtrips auf meinem Abenteuerkonto fühlen sich Hostels, fremde Sofas und mein Zelt auf die ein oder andere Art nach zu Hause an. Doch dieses Mal ist irgendwie alles anders.

Weitaus weniger selbstbewusst stehe ich mitten im Wald. Mein Rucksack ist bei mir, doch baumelt daran nicht wie gewohnt mein Zelt, sondern lediglich ein winziges Päckchen mit meinem Tarp, einer drei mal drei Meter großen Plane, welche Schutz vor Sonne, Regen und Wind beim Biwakieren bieten soll. Oftmals wird sie als zusätzliches Vorzelt gespannt, in meinem Fall ist sie mein alleiniger Unterstand. Um nicht die gesamte Zeltausrüstung während meiner fünftägigen Solo- Wanderung auf den Schultern tragen zu müssen, nehme ich mir vor, diese Leichtgepäcksvariante auszuprobieren. Ein gewisser Antrieb bringt zudem die Herausforderung, mich selbst auf die Probe stellen zu wollen: Würde mein Lebensmotto auch noch gelten, wenn mein Basecamp lediglich aus einem überdimensionalen Stück Stoff und ein paar Seilen besteht? Die kommenden Nächte im Biwak werden es zeigen.

Tarp Zelt aufbauen im Wald zum Biwakieren

Ein Wald mit lauter Bäumen

Umrandet vom Grün, das alles gleich erscheinen lässt, sehe ich etwas ratlos umher. Um Zweifeln keinen weiteren Raum zu schenken, schreite ich zur Tat und marschiere zielsicher auf zwei Bäume zu, die für meinen Geschmack ein angemessenes Grundstück markieren, um mich dazwischen ausbreiten zu können. Ich öffne meinen Rucksack, entfalte erst das Tarp und dann meinen Spickzettel, auf dem ich mir die wichtigsten Knoten notiert habe. Akribisch und hochkonzentriert bemühe ich mich, einen Unterschlupf zu konstruieren, der mir den bestmöglichen Schutz vor der Natur bietet.

Das Resultat? Keine einzige Falte im Stoff, doch in der Nacht kullere ich konstant von meiner Isomatte auf den feuchten Waldboden. Links und rechts zieht der kühle Wind wie Hechtsuppe über mein Gesicht und ich lerne, dass die Platzwahl weit mehr als die halbe Miete ist. Etwas zerknautscht mache mich am nächsten Morgen daran, mein Tarp abzubauen. Es ist schließlich nur zum Biwaken, also als Notübernachtung erlaubt und daher ist es wichtig, am nächsten Morgen alle Spuren der letzten Nacht zu beseitigen. Ich bin zu Gast im Wald und verlasse meinen Spot so, als wäre ich nie dort gewesen.

Ein bisschen Gemütlichkeit im Tarp Zelt

Meine anfänglichen Gedanken des Aufgebens verblassen während meiner Wanderung und weichen Überlegungen, wie ich es mir heimeliger machen könnte. Neue Nacht, neues Glück! Es liegt in meiner Hand und ein kleines Feuer gehört dazu, beschließe ich.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit mache ich mich also erneut auf die Suche nach einem Schlafplatz. Dabei versuche ich meinen Blick für einen kleinen gemütlichen Spot zu schärfen, inklusive einer geraden Liegefläche und einer Stelle für mein Lagerfeuer. Es dauert eine Weile, aber dann entdecke ich eine ziemlich perfekte Location. Meine zuvor ausgetüftelte Tarpzeichnung würde ich hier nicht umsetzen können, aber dank herumliegender Äste sind ein paar zusätzliche Heringe und improvisierte Zeltstangen schnell geschnitzt.

Zusammen mit einer erfinderischen Verwendung meiner Abspannseile baue ich meine kleine Höhle. Sie schafft es vielleicht nicht als Blaupause ins Survival-Lehrbuch, doch im Einklang mit der faustgroßen Feuerstelle katapultiert sie meine Gemütlichkeit aufs nächste Level. Ich sitze unter meinem Tarp und füttere das Feuer. Als Dank dafür erfüllt es den kleinen Raum unter dem Segel mit einer wohligen Wärme, die mich sanft in den Schlaf begleitet.

Etwas unliebsam werde ich ein paar Stunden später geweckt, als die restliche Glut von prasselnden Regentropfen gelöscht wird. Mulmig beobachte ich, wie die Tropfen nur ein paar Zentimeter von meiner Nase entfernt auf den Boden prasseln. Ich rolle mich mit meinem Schlafsack ein wie ein Igel und versuche mich so weit wie möglich von der Kante meines Tarp Zelts und ihren Regenfäden fernzuhalten. So schön es auch ist, den Sternenhimmel aus dem Bett ansehen zu können, in diesem Punkt muss die Campingromantik dem Pragmatismus beim biwakieren weichen und ich mir eine Lösung für ein geschlossenes Dach überlegen.

Biwakieren im Wald

Angekommen im Biwak

An den nächsten Tagen wiederholt sich der tägliche Kreislauf mit Überlegungen, wie ich meinen nächtlichen Unterschlupf weiter optimieren könnte. Je mehr Zeit verstreicht, desto weniger konzentriere ich mich auf den perfekten Knoten und desto mehr vertraue ich meiner Intuition. Auch die Größe meiner Übernachtungsplätze schrumpft zunehmend. Was ich am ersten Tag höchstens großzügig als Ecke für die Campingtoilette abgetan hätte, wird nun zu meinem kleinen Nest in der Natur. Ich strolche durch den Wald, lasse die Umgebung auf mich wirken und meine zukünftige Schlafstätte vor meinem inneren Auge entstehen.

Ich fasse mehr und mehr Selbstvertrauen in meiner täglichen Routine. Das Spannen des Tarps wird zur Kirsche auf der Torte. Die Knoten gehen fast automatisch von der Hand und ich bin ein bisschen stolz auf die Hacks, die ich mir im Laufe der Tage aneignen konnte. Meine kalten und unbeweglichen Finger brauchen sich am kühlen Morgen nicht mehr mit festen Knoten quälen und selbst bei plötzlichem Regen lässt sich mein Tarp Zelt schließen – von innen und ohne dabei die wohlige Wärme des Schlafsacks verlassen zu müssen. Auch die gelegentlichen Tierfladen sind kein Hindernis mehr, sondern versinnbildlichen sich schon fast zum neuen Lebensmotto: „Wenn Mist im Weg liegt, reg dich nicht auf, sondern entferne ihn einfach“. Ich schmunzle in mich hinein, es gibt nur noch mich und die Natur. Was sich im Vorfeld als Bedrohung in meinem Kopf etabliert hatte, hat sich mit der Zeit zu einem wohlig geborgenen Gefühl entwickelt. Aus meinem Zuhause in der Natur wurde ich zu Hause in der Natur. Dass dies nicht nur ein einseitiges Gefühl ist, beweist mir das Eichhörnchen, was sich an einem Morgen zögerlich bis auf Armlänge an mich herantastet während ich mein Biwak Lager in den ersten Sonnenstrahlen trocknen lasse. Die Walnüsse scheinen nicht nur bei mir Anklang zu finden.

Ausblick aus dem Tarp beim Biwakieren
Knoten binden bei Biwak

Ein neues Zuhause

Mit dem Zelt in die Natur zu ziehen, war für mich bislang die natürlichste Art des Reisens. Doch mein Ausflug mit dem Tarp hat mir eine neue Welt erschlossen - ohne Reißverschluss, ohne Grenze zwischen mir und der Natur. An Bäume und Steine geschmiegt, fühle ich mich nachts geerdet und angekommen. Tagsüber wird aus meinem Unterschlupft ein unscheinbares kleines Päckchen, welches meine Schultern von zusätzlicher Last befreit. Mir wird bewusst, dass der gesamte Wald meine Herberge ist. Es gilt nur noch, sich das gewünschte Schlafzimmer auszusuchen.

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